Zeit wird's! Der Leitantrag des Jungen BLLV 2021-23

Die letzten zwei Jahre haben Schule und Gesellschaft nachhaltig verändert und auf noch nie dagewesene Art belastet. Das bestehende System Schule steht endgültig vor einer Zerreißprobe. Die Ereignisse der letzten beiden Jahre haben das Vertrauen der Junglehrerinnen und Junglehrer in das System, in dem sie arbeiten, und auch in ihre Selbstwirksamkeit erschüttert. Das Konstrukt aus Halbwahrheiten, Vertrösten und geringer Wertschätzung führt zu Desillusionierung, Pessimismus, Verbitterung und Zynismus.

Uns reicht’s!

Wir Junglehrerinnen und Junglehrer sind dynamisch, motiviert, voller Energie und bereit die Dinge anzupacken. Wir sind es, die die Schule von morgen leben werden und sollen. Wir wollen sie mit Optimismus und Idealismus gestalten. Deswegen ist JETZT die Zeit, in der sich etwas ändern muss. Nicht irgendwann, nicht eines Tages, sondern JETZT.

Zeit wird’s!

Einen Anspruch auf die perfekte Lösung aller Probleme erheben wir nicht. Wir wollen Bewegung in das starre, eingerostete und veraltete System Schule bringen. Damit sich die Dinge ändern können, müssen wir allerdings aufrichtig miteinander sein und die Probleme ehrlich benennen, um dann gemeinsame Lösungen zu finden.

Wenn nicht wir, wer dann! Wenn nicht jetzt, wann dann!
Wir Junglehrerinnen und Junglehrern haben nichts und zugleich alles zu verlieren!

Wir fordern grundlegende Veränderungen in 5 Bereichen:

Bestes Beispiel für die geringe Wertschätzung ist die Besoldung, die der pädagogischen, didaktischen und fachlichen Arbeit der Lehrkräfte der verschiedenen Schularten noch immer nicht den gleichen Wert zuspricht. Wir brauchen hier auch keine leeren Danksagungen des Ministerpräsidenten auf dem Besoldungszettel, wenn jeder Blick auf genau diesen zeigt, dass die Arbeit an Grund- und Mittelschulen weniger wert ist als die aller anderen Schularten. Das wirkt auf die betroffenen Personen nicht wie Wertschätzung, sondern wie purer Hohn.

Auch im Abtun und Ignorieren unserer Zweifel und Ideen aus der Praxis zeigt die Politik ihre geringe Wertschätzung für uns Junglehrkräfte, wobei sie gerade hier von uns sehr profitieren könnte. Wir sind diejenigen, die in diesem System noch die längste Zeit arbeiten und es mitgestalten werden, doch unsere Visionen sind es offensichtlich nicht wert, gehört zu werden.

Des Weiteren hat das vergangene Jahr gezeigt, dass einzelne Maßnahmen und Projekte, die aus politischem Kalkül verkündet wurden und welche von den Schulen umgesetzt werden sollten, im Nachhinein keinen Mehrwert oder Sinn in der Praxis haben. Das hat unserer Ansicht nach nichts mit Wertschätzung von Lehrkräften zu tun, sondern ist Instrumentalisierung von Schule für die politische Agenda der Entscheidungsträger.

Uns reicht‘s, dass es Schularten zweiter Klasse gibt; dass es Kinder gibt, die der Gesellschaft und dem Sozialstaat weniger wert sind als andere. Worte haben Macht und Wirkung: Wenn in Pressekonferenzen stets nur von Abitur und Übertritt gesprochen wird, senden Staatsminister und Ministerpräsident eine klare Botschaft über die eigene Wahrnehmung und Wertung von Mittelschulen, Förderschulen sowie Realschulen. Es hat den Anschein, dass diese Schularten es nicht wert seien, sie in wichtigen Presseansprachen zu erwähnen, egal ob es um die Pressekonferenz bezüglich der Schulöffnung geht oder um die Wichtigkeit eines schulischen Abschlusses.

In der Wertschätzung aller Schularten spielt auch die örtlich stark schwankende Ausstattung der Schulen eine große Rolle. Jedes Kind, aber auch jede Lehrkraft sollte in einer optimalen Umgebung arbeiten und lernen können. Es ist nicht sinnvoll Leuchtturm- und Vorzeigeschulen mit technischen Geräten zu überfrachten, damit man diese in der Presse gut verkaufen kannund dafür anderen Schulen nicht mal eine funktionierende Grundausstattung zur Verfügung zu stellen.

Bei der Beschulung der Flüchtlingskinder gab es nach der Grundschule nur die Mittelschule. Alle anderen Schularten wurden bei der dringend benötigten Verteilung kaum berücksichtigt. Warum wurden alle Kinder mit Migrationshintergrund an Mittelschulen verwiesen, obwohl diese bereits unter extremem Lehrermangel litten? Die Gymnasien, für die es aber zu viele Lehrkräfte gibt, wurden nur mit einzelnen Schülerinnen und Schülern versorgt? Die Deutschklassen gab es an weiterführenden Schulen nur an Mittelschulen, obwohl die Lehrerinnen und Lehrer dort genauso wenig dafür ausgebildet sind wie jene am Gymnasium. Sollten wir als Schulfamilie nicht zusammenstehen und diese von Bedrohungen geplagten Kinder gemeinsam soweit es geht unterstützen? Scheinbar nicht. Stattdessen wurden die

Kinder und Jugendlichen in der Schulart zweiter Klasse „geparkt“. Das hat wenig mit Wertschätzung zu tun! Weder für die Lehrkräfte noch für die Kinder. Den wahren Grund dafür, dass das Gymnasium mit der Beschulung der Flüchtlingskinder trotz ausreichendem Personal, aber kaum behelligt wurde, wird lieber nicht thematisiert.

Zeit wird’s, dass ALLE Schülerinnen und Schüler ALLER Schularten gleich viel wert sind!
Zeit wird’s, dass ALLE Lehrkräfte monetäre Wertschätzung in Form von A13 erhalten!

In den meisten Kollegien ist es inzwischen ein Scherz, den die Kollegen – wenn Ent-scheidungen anstehen – gerne im Lehrerzimmer loslassen: “Ja, Freitag um 15 Uhr wird das KMS [Schreiben des Kultusministeriums] dann schon kommen und uns verraten was wir am Montag zu tun haben”.

Auch wenn es als Scherz formuliert ist, so zeigt es, wie sehr die aktuellen Kommunikations-strukturen des Ministeriums scheitern und vor Ort Frustration und Enttäuschung auslösen.

In der Regel läuft es doch so ab: Ab Mittwoch wissen alle, dank verschiedenster Presse-konferenzen, welche groben Rahmenvorgaben es gibt. Tun können die meisten Schulen trotzdem nichts, da konkrete Ausführungen des KM ausbleiben. Einfach schon mal loslegen ist schwierig, da dann im schlimmsten Fall am Freitag alles umgeworfen werden muss. So verharren die Schulen sowie deren Lehrkräfte dann im Limbo bis am Freitagnachmittag das KMS eintrifft und das Schulamt konkrete Auslegungen des KMS nachreicht. Erst ab diesem Zeitpunkt können Schulleitungen und Lehrkräfte ihr Wochenende damit verbringen, die Vorgaben umzusetzen, Eltern zu informieren und Konzepte zu entwerfen. Und wehe es wird bis Montag nicht geschafft, dann gibt es Ärger von allen Seiten über die faulen Lehrerinnen und Lehrer, die am Wochenende nichts tun.

Hat man dann bis Montag alles umgesetzt, wartet man mit angehaltenem Atem, ob nicht doch am Mittwoch ein neues KMS kommt, das alles wieder auf den Kopf stellt. Distanzlernen oder Distanzunterricht? Verpflichtend oder doch nicht? „Ja, schauen Sie mal wie Sie machen, aber halten Sie sich ja an alle Vorgaben.“

Durch die vielen zwischengeschalteten Instanzen sind die Schulen oft handlungsunfähig. Das eine Schulamt macht es so, das andere ganz anders und die Schulleiter*innen und Lehrkräfte haben Folge zu leisten. Wenn Lehrkräfte so mit Eltern oder Schülerinnen und Schülern kommunizieren würden, wäre der Aufschrei groß, aber bei Schulen und Lehrkräften ist es gang und gäbe. Das macht mürbe und nimmt uns Energie. Die Art der Kommunikation gibt uns das Gefühl, dass unsere Arbeit keinen Wert und keine Dauer hat und dass unser Dienstherr sich wenig darum schert, ob die Vorgaben sinnvoll umsetzbar oder zeitnah kommuniziert sind. So kann kein System funktionieren!

In unserer Ausbildung lernen wir, wie wichtig klare und wertschätzende Kommunikation ist. Genau deswegen fordern wir, dass auch mit uns so kommuniziert wird.

Zeit wird’s, dass Entscheidungen des Ministeriums frühzeitig, verständlich und direkt an die Schulen kommuniziert werden!
Wir brauchen kurze Kommunikationswege und die Freiheit sowie den Rückhalt, die Umsetzung an die Bedürfnisse der eigenen Schule anzupassen!

Die Jacke des Staates ist eng aber warm“, heißt es immer so schön unter Beamtinnen und Beamten. Wir sind uns der vielen Privilegien, die wir genießen, sehr wohl bewusst. Im Gegenzug sind wir unserem Dienstherrn der Treue verpflichtet. Immer mehr hat sich die Realität dieser Forderung aber von seiner idealistischen Grundidee der engen Bindung von Beamten und Staat entfernt und gleicht inzwischen eher einer Obrigkeitshörigkeit, die vom Dienstherrn eingefordert wird. Kritik, egal wie sachlich formuliert und begründet, ist nicht gewünscht.

Eine der ersten Lektionen, die Junglehrerinnen und Junglehrer lernen, ist, dass sie besser den Mund zu halten haben. Mit Aussagen wie “arbeite erstmal ein paar Jahrzehnte, dann kannst du mitreden“, werden wir oft abgespeist und belächelt. Wie aber soll sich Schule verändern, wenn alle im Status Quo verharren wollen? Wie soll Schule in einer sich ständig verändernden Gesellschaft überleben, wenn sie sich nicht selbst verändert und weiter-entwickelt?

Bei der Beurteilung geht es weiter mit der antrainierten Obrigkeitshörigkeit: Nur nicht kritisieren. Die Dinge einfach hinnehmen. “Wenn du jetzt maulst, kannst du deine Beurteilung in die Tonne treten” oder “Das kann sein, dass du das unfair findest, aber da kannst du nichts machen. Wenn du dich beschwerst, wird es nur noch schlimmer” - fast jede Lehrkraft hat diese oder ähnliche Sätze schon gehört oder gesagt. Auf allen Ebenen wird uns gelehrt, dass still zu sein und nichts zu sagen der beste Weg ist, voranzukommen und wir sehen täglich, dass es leider stimmt.

Das nimmt uns unseren Idealismus und Optimismus. Wir sollen unsere Schülerinnen und Schüler zu kritik-  und diskursfähigen Menschen erziehen, die Demokratie und Meinungs-freiheit schätzen und leben und doch ist es gerade uns nicht möglich, diese Ideale vorzuleben. Zumindest nicht, ohne Konsequenzen zu fürchten.

Zeit wird’s, dass junge Lehrkräfte, die das System neu denken und voranbringen wollen, gehört werden!
Zeit wird’s, dass konstruktive Vorschläge auf allen Ebenen
als eine Chance und nicht als Kritik gesehen werden!

Uns reicht’s, dass es Politikerinnen und Politiker gibt, die mehr an ihrer politischen Karriere interessiert sind als am Wohl der Kinder und die Schulpolitik als Spielball im Kampf um Wählerstimmen und Macht sehen. Im Februar 2020 wurden Notmaßnahmen gegen Lehrermangel verkündet. Die Ansage war klar: Jetzt müssen alle mithelfen, denn der Mangel an Grund-, Mittel und Förderschullehrkräften war nicht vorauszusehen. Die Warnungen der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort und des BLLV vor genau dieser Problematik wurden über Jahre ignoriert. Anstatt sich den Tatsachen zu stellen und ehrlich zuzugeben, dass die Schulpolitik der letzten Jahre für die Krise verantwortlich ist, wurde dies verschwiegen und kaschiert.

Die hauseigene Bedarfsprognose des Kultusministeriums prognostiziert aktuell einen langfristigen und eklatanten Lehrermangel an Mittelschulen. Wieder scheint die Devise „abwarten und versuchen, die Löcher irgendwie zu stopfen“ zu gelten.

Politischen Entscheidungsträgerinnen und –träger ohne pädagogische Ausbildung und Berufserfahrung schaffen neue Projekte und Stellen, die an den Bedürfnissen der Schüler und Schülerinnen vorbeigehen - mit schön klingenden Bezeichnungen wie “Team-Lehrkräfte”, auch wenn es sich dabei weder um ein Team, noch um eine Lehrkraft handelt. Oder es werden Quereinsteiger ohne jede pädagogische Zusatzqualifizierung und Weiterbildung als “Schulassistenten” in die Schule geschickt. Auch wenn Erfahrungen aus anderen Bundes-ländern zeigen, dass Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger ohne entsprechende Quali-fizierung keine pädagogische Lösung darstellen. Guter Wille alleine ersetzt nicht fachliches Wissen und professionelles Handeln. Dass den Schülerinnen und Schülern so weder kurz-, mittel- noch langfristig geholfen ist, scheint für die Entscheidungsträger maximal sekundär zu sein. 

Was die Kinder brauchen, sind qualifizierte Lehrkräfte, pädagogisches Fachpersonal und multiprofessionelle Teams! Aber diese Köpfe gibt es nicht.

Uns reicht’s mit Schönrechnerei und Zahlenspielchen auf Kosten der Kinder. “Wir haben Lehrermangel”, deklarierte Ministerpräsident Söder öffentlich im Interview mit BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Dennoch werden Lehrerstunden ausgeschrieben, die sich in Zahlen und Statistiken wunderbar verkaufen lassen. Dass es für die 1.000 neuen Planstellen allerdings keine ausgebildeten Köpfe gibt, wird in der Statistik nicht erwähnt. Für uns sind derartige Aussagen der Beweis dafür, dass man an den entscheidenden Stellen Zahlen und Werte so auslegt, wie man sie braucht.

Ein Beleg wie diese Schönrechnerei eingesetzt wird, findet man nicht nur in den Arbeits-zeitkonten, welche im vergangenen Jahr eingeführt wurde, sondern auch in der Streichung von AGs an den Schulen, in der Streichung des Ganztags, in den fehlenden Mobilen Reserven, in der Einberechnung von Schwangeren und langfristig Erkrankten in die Lehrerzuweisung bei der Klassenplanung. Auf dem Papier steht dann vor jeder Klasse ein Lehrer oder eine Lehrerin, am ersten Schultag vor Ort aber nicht!

Bei der Landesdelegiertenversammlung des BLLV 2019 versicherte der Staatsminister, “Wissen Sie mich bei A13 an Ihrer Seite”. Passiert ist aber trotzdem nichts. Natürlich ist auch ein Staatsminister eingeengt von bestehenden Strukturen, Vorgaben und politischen Entwicklungen. Das ist uns allen klar. Aber warum wird keine ehrliche Diskussion über Gründe und Hindernisse von A13 für alle geführt und gemeinsam nach Lösungen gesucht? Warum werden Lehrkräfte mit Ausreden und Statistiken abgespeist und zugleich erstaunt hinterfragt, dass es zu viele Gymnasiallehrkräfte, aber zu wenig Mittelschullehrkräfte gibt, als ob die Besoldung nicht ein Entscheidungsfaktor bei der Berufswahl wäre?

Die populistische Entscheidung, die Faschingsferien zu streichen mag aus Gründen des Infektionsschutzes sinnvoll sein, nicht jedoch mit der Begründung Unterricht auf- oder nachzuholen. Hierbei wurde keine Rücksicht auf die ansonsten oft erwähnte “Schulfamilie” genommen. Es ist auch kein Zufall, dass ausgerechnet die Abiturientinnen und Abiturienten zuerst in die Schulen zurückgeholt wurden. Das Gymnasium scheint die Schulart zu sein, die die Presse und Gesellschaft interessiert. Die Mittelschülerinnen und Mittelschüler, die mit ihren praktischen Prüfungen nur kurz nach den Abiturientinnen und Abiturienten starten, wurden vergessen.

Als Corona die Welt zum Stillstand brachte, verkündete der Ministerpräsident, dass keine Schülerin und kein Schüler durch Corona einen Nachteil haben werde. Die Erfahrung zeigt aber, dass zwischen den leichtfertigen Versprechungen der politischen Entscheidungsträger und der Realität vor Ort Welten liegen. Für Lehrerinnen und Lehrer, die verzweifelt versuchen, Schülerinnen und Schüler ohne Internet, Drucker oder Endgerät zu unterrichten, die versuchen Kinder in Flüchtlingsunterkünften, ohne eigenen Arbeitsplatz, geschweige denn Zimmer zu unterstützen, sind solche Aussagen schwer zu verstehen. Wir alle würden uns wünschen, dass kein Kind Nachteile hat, aber die Realität ist eine andere und sie zu verleugnen, um Wählerstimmen zu gewinnen, ist für uns ein Verrat an eben jenen Schülerinnen und Schülern.

Uns reicht es von Schein-Dialogen, in denen die Stimmen der “Schulfamilie” nicht gehört werden, und ergebnislosen Lehrer-Gipfeln, auf denen weder ehrlich noch auf Augenhöhe diskutiert wird.

Zeit wird’s, dass Bildungspolitik von den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler aller Schularten bestimmt wird.
Zeit wird’s, dass die Probleme ehrlich benannt und praktische Lösungen gefunden und umgesetzt werden.

Uns reicht’s, dass Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die keine Ahnung von Schule und Bildung in der Realität haben. Schule und alle, die in und mit ihr arbeiten, sind am Anschlag. Wie heißt es so schön in dem inzwischen unter Lehrkräften weit verbreiteten satirischen Werbespot: “Werden Sie Lehrer, stellen Sie sich mit den Konzepten von gestern und den Strukturen von vorgestern der Jugend von heute”. So kommt es einem oft vor. Von oben kommen Vorgaben und Konzepte, die vor Ort aufgrund mangelnder Ausstattung und Personal gar nicht umgesetzt werden können und die oft weder Sinn noch Mehrwert für die Kinder haben.

Als im Frühjahr 2020 die Lehrkräfte noch damit kämpften, Flüchtlingskinder an Mittelschulen zu integrieren, Digitalisierung ohne WLAN und Endgeräte umzusetzen und Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarfen zu inkludieren. Zeitgleich versuchten sie die Folgen des ersten Lockdowns bei den Kindern aufzuarbeiten und trotzdem die rechtlich geforderten Noten zu erfassen, beschloss das Ministerium, dass eindeutig jetzt der ideale Zeitpunkt für eine Projektwoche an den bayerischen Schulen ist. Ein derartiges Vorbeiplanen an der Realität und den Bedürfnissen vor Ort kann nur entstehen, wenn die Entscheidungen von Personen getroffen werden, die nicht im System Schule arbeiten bzw. noch nie darin gearbeitet haben, und deshalb keine Praxiserfahrung mitbringen.

Während die Mittelschulen, die seit Jahren an Personalmangel leiden, verzweifelt versuchen, den regulären Unterricht aufrecht zu erhalten, sollen sie dann plötzlich Brückenangebote ermöglichen. Wenn man dann fragt, woher man die Stunden nehmen soll, heißt es man soll die AGs streichen. „Welche AGs?“, fragen sich da die meisten Grund- und Mittelschulen. Diese wurden längst gestrichen oder an externe Kräfte abgegeben, damit zumindest der Regelbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Wenn Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die zum letzten Mal selbst als Schülerin bzw. Schüler in der Schule waren, und dann in der Regel auch nur am Gymnasium, und die Stimmen aus der Praxis ignoriert werden, dann ist das für uns der blanke Hohn. Niemand würde uns einen Operationsraum oder den Ablauf einer Operation planen lassen. Zurecht! Warum also dürfen Personen ohne adäquate Ausbildung und Erfahrung entscheiden, wie die zukünftigen Generationen Bayerns unterrichtet werden?

Und sind wir doch ehrlich, die meisten dieser Ideen und Projekte haben mehr mit Wählerstimmen und Pressewirksamkeit zu tun als damit, den Kindern und Lehrern vor Ort zu helfen! So kann Schule nicht funktionieren, so können wir nicht unseren Beruf ausüben!

Zeit wird’s dass wir, die täglich in der Schule tätig sind und wissen was Schule braucht, die Schule von Morgen aktiv mitgestalten können und an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden!

 

Jetzt ist es Zeit!

  • dass ALLE Schülerinnen und Schüler ALLER Schularten gleich viel wert sind!
  • dass ALLE Lehrerinnen und Lehrer monetäre Wertschätzung in Form von A13 erhalten!
  • dass Entscheidungen des Ministeriums frühzeitig, verständlich und direkt an die Schulen kommuniziert werden. Wir brauchen kurze Kommunikationswege und die Freiheit sowie den Rückhalt, die Umsetzung an die Bedürfnisse der eigenen Schule anzupassen!
  • dass junge Lehrkräfte, die das System neu denken und voranbringen wollen, gehört werden!
  • dass konstruktive Vorschläge auf allen Ebenen als Chance und nicht als Kritik gesehen werden!
  • dass Bildungspolitik von den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler aller Schularten bestimmt wird!
  • dass Probleme ehrlich benannt und praktische Lösungen gefunden und umgesetzt werden!
  • dass wir, die täglich in der Schule tätig sind und wissen was Schule braucht, die Schule von Morgen aktiv mitgestalten können und an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden!

Uns reicht’s mit Ausreden und Gründen, warum es nicht geht!
Uns reicht’s mit leeren Versprechungen und einem Vertrösten auf die Zukunft!

Wir nehmen SIE in die Pflicht, uns und die Stimmen der bayerischen Junglehrerinnen und Junglehrer in die schulischen Entscheidungsprozesse zu involvieren. Wir lassen uns nicht auf die Zukunft vertrösten! Wir werden genau hinschauen und unerbittlich darauf aufmerksam machen, wenn Schulpolitik betrieben wird, bei der nicht das Wohl der “Schulfamilie” im Fokus steht.

Die letzten beiden Jahre haben Schule für immer verändert, aber jede Herausforderung ist eine Chance, wenn wir sie nur JETZT nutzen.

Eines Tages, liebe Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger… muss jetzt sein!
Eines Tages wird es zu spät sein - für uns junge Lehrerinnen und Lehrer, aber vor allem auch für unser Schülerinnen und Schüler!

Wenn nicht wir, wer dann!  Wenn nicht jetzt, wann dann! Wir Junglehrerinnen und Junglehrern haben nichts und zugleich alles zu verlieren!

Monika Faltermeier, Sebastian Hatib und Simon Glöbl
Vorsitzende des Jungen BLLV