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Grüne reichen Gesetzesentwurf zur Lehrkräftebildung ein

Ungenutzte Reformchance verschenkt Potential angehender Lehrkräfte

Als „enorme Chance für die Bildung“ hat Simone Fleischmann die Ergebnisse der Expertenkommission zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung bezeichnet. Der große Masterplan zur Lehrerbildung, der auf die Empfehlungen der Kommission im Mai 2025 folgen sollte, liegt jedoch auch mehr als ein Jahr später nicht vor. Jetzt bringt die Opposition das Thema wieder auf den Tisch: am 26. August 2026 reicht das BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen konkreten Gesetzesentwurf zur Reform der Lehrkräftebildung ein. Auch der Junge BLLV fordert die Staatsregierung zum Handeln auf, um nicht weiter das Potential der angehenden Lehrkräften zu verschenken.

Die bayerische Lehrkräftebildungskommission

Expert*innen aus Wissenschaft, Verbänden und Studierendenvertretung besetzten eine deutschlandweit einmalige Kommission. Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann war Teil der Kommission, die an den umfassenden und elaborierten Empfehlungen für „Lehrkräftebildung im 21. Jahrhundert“ gearbeitet hat. Doch der von der Staatsregierung angekündigte Masterplan lässt nun seit der Präsentation der Ergebnisse Mai 2025 auf sich warten. 

Im  Januar 2026 forderte der BLLV in einer Pressemeldung klare Strukturen und echte Mitbestimmung als Grundlage für den Reformwillen der Universitäten. Die Bereitschaft für Erneuerungen wäre groß, sie würden jedoch ebenso im Dunklen tappen. In dem Zuge brachte Simone Fleischmann eine „High Teach Agenda“ ins Gespräch, die den Lehrberuf als tragende Säule der Demokratie begreift und echte Exzellenz in der Ausbildung schaffen soll. 

Der Vorstoß der Grünen

In der Zwischenzeit ist die Opposition ins Tun gekommen: am 27. August 2026 präsentierte das BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in einer Pressekonferenz ihren Gesetzesentwurf zur Reform der Lehrkräftebildung. Sie würden nicht noch mehr Zeit verlieren wollen und stellten die sechs zentralen Punkte ihres Entwurfs vor. Dieser sieht unter anderem ein schulartübergreifendes Basisstudium (Bachelor) sowie vier Semester spezialisierendes Masterstudium vor, ähnlich wie es der BLLV auch in seinem Flexiblen Lehrkräftebildungsmodell seit Jahren fordert. 

Auch die stärkere Verzahnung zwischen Praxis und Studium, u.a. mit einem Praxissemester sowie der Verankerung von Zukunftsthemen und der Stärkung der Lehrkräftebildungszentren begrüßt der BLLV. Die zweite Phase der Lehrkräftebildung in Form des Referendariats bzw. Vorbereitungsdienstes soll infolge eines Praxissemesters von 24 auf 18 Monate reduziert werden. Abgeordneter Christian Zwanziger von den Grünen betonte dabei eine klare Trennung zwischen Beratung und Bewertung und dass das wissenschaftlich begleitete Praxissemester nicht als billiger Lehrkräfteersatz dienen solle.

Wie geht es nun weiter?

Im nächsten Schritt geht der eingereichte Gesetzesentwurf in den parlamentarischen Prozess und wird in unterschiedlichen Gremien diskutiert. Am Ende entscheidet das Plenum darüber, ob der Gesetzesentwurf angenommen wird. In jedem Fall muss die Staatsregierung öffentlich Stellung beziehen, wie es nun um das Thema der Lehrkräftebildung steht. 

Wir vom Jungen BLLV fordern die Staatsregierung auf, diese enorme Chance für die Bildungsqualität und die Attraktivität des Lehrberufes nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Jeder weitere Jahrgang an Lehramtsstudierenden und Referendar*innen, die mit unnötigem Druck, veralteten Methoden und in starren Strukturen lehren lernen müssen, sei ungenutztes und verschenktes Potential, so Nina Pirc (1. Vorsitzende des Jungen BLLV). Angehende Lehrkräfte hätten die beste Bildung verdient, um die kommenden Generationen fit für die Zukunft zu machen. 

Potential junger Lehrkräfte darf nicht länger verschenkt werden!

Wir vom Jungen BLLV begrüßen den vorliegenden Gesetzentwurf zur Reform der Lehrkräftebildung in Bayern: Zum einen, da die Ergebnisse der Lehrkräftebildungskommission schon seit über einem Jahr ungenutzt bleiben und der erhoffte „Masterplan“ ausbleibt, obwohl die Probleme in unserer Bildungslandschaft doch so dringlich erscheinen, dass ad hoc Maßnahmen nicht ausbleiben.

Zum anderen befürworten wie die zentralen Reformvorschläge des Entwurfs. Auch wir Jungen fordern in unserem Lehrkräftebildungsmodell ein modernes, an die anderen Bundesländer angeglichenes Bachelor- und Mastersystem, welches die Möglichkeit bietet, das Studium mit der Praxis deutlich besser zu verzahnen. Die Verankerung von zentralen Zukunftsthemen wie Digitalität, Demokratiebildung oder den Umgang mit zunehmender Heterogenität sind in unseren Augen zeitgemäß und notwendig und finden sich auch in unserem Leitantrag wieder. 

Die Empfehlungen der Lehrkräftebildungskommission, an die der Gesetzesentwurf angelehnt ist, sehen wir als große Chance auf eine zukunftsfähige und auch widerstandsfähige Lehrkräftebildung in Bayern. Nun ist es an der Staatsregierung diese Chance wahrzunehmen und den angehenden Lehrer*innen in Bayern die Möglichkeit zu geben, ohne unnötigem Druck, ohne veraltete Strukturen und unzureichender Praxisorientierung ihr volles Potential entfalten und dieses mit Kraft und Motivation für unsere Schüler*innen einsetzen zu können.

Bayern braucht eine neue Lehrkräfte Bildung, die Lehrkraft bildet und sie nicht schon verbraucht, bevor man überhaupt erfahren kann, wie großartig dieser Beruf eigentlich ist! Wer Zukunft bildet, muss zukunftsgemäß ausgebildet werden.