Leitantrag des Jungen BLLV 2026

LehrKraft – Vielfalt leben, Zukunft gestalten

Bildung ist die Grundlage unserer Zukunft – und wir sind diejenigen, die sie heute aufbauen. Jeden Tag gestalten über 150.000 Lehrkräfte an Bayerns Schulen die Bildungswege von Millionen Schüler*innen. Schule ist dabei weit mehr als ein Ort der Wissensvermittlung: Sie ist Lebensraum, Wertegemeinschaft und Zukunftswerkstatt. 

Wir im Jungen BLLV begreifen die heutige gesellschaftliche Vielfalt als Chance und vor allem als Auftrag. Unterschiedliche soziale Hintergründe, kulturelle Prägungen und wachsende Heterogenität, Inklusion, Neurodivergenz sind für uns kein Hindernis, sondern gelebter Alltag. Wir wollen Inklusion nicht nur verwalten, sondern gestalten, durch individuelle Wege und echte Teilhabe. Wir stehen für LehrKraft: für die frische Energie, Vielfalt anzunehmen und den Mut, veraltete Strukturen aufzubrechen, um Schule zukunftsfähig zu machen.

LehrKraft braucht einen Nährboden aus Vertrauen und modernen Rahmenbedingungen. Wir bringen Professionalität und eine hohe Motivation mit in den Beruf. Doch gerade beim Berufsstart zeigt sich unsere Kraft darin, wie wir täglich

  • tragfähige Beziehungen zu einer neuen Generation von Schüler*innen aufbauen,

  • innovative, digitale und individuelle Lernwege eröffnen,

  • empathisch auf komplexe, soziale und kognitive Bedürfnisse reagieren,

  • den Spagat zwischen modernem pädagogischem Anspruch und starren strukturellen Grenzen im Schulsystem meistern.

  • aktiv gegen Bildungsungerechtigkeit vorgehen

Doch Idealismus und Begeisterung zum Beruf sind keine unerschöpflichen Ressourcen. Besonders die Personen, die neu im System sind, spüren den massiven Druck: Der gesamte Prozess des Berufseinstiegs, die ganze Bandbreite von Heterogenität und der Fachkräftemangel treffen uns in einer Phase, in der wir eigentlich Raum für das eigene berufliche Wachsen bräuchten. Denn LehrKraft bedeutet nicht nur, die eigene Kraft in den Dienst der Gesellschaft zu stellen, sondern auch, dass Kräfte endlich sind. Ein System, das unseren Beruf gerade in den ersten Dienstjahren durch ständige Überlastung und dadurch nötige Improvisation erschwert, verbrennt seine wichtigste Ressource für die Zukunft. 

Damit wir langfristig gesund und mit Freude im Dienst bleiben können, müssen die Arbeitsbedingungen sich endlich an uns anpassen und nicht andersherum. Echte Inklusion, professioneller Umgang mit Heterogenität und bestmögliche Bildung brauchen Zeit, multiprofessionelle Teams und eine Politik, die uns nicht nur „verplant“, sondern wertschätzt. Schule muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gesehen werden. Wenn Bayern die Zukunft gestalten will, braucht es ein System, das junge Lehrkräfte stärkt und hält und nicht das Aufrechterhalten eines Systems, das sie verschleißt.

Gute Schule entsteht im Dialog. Wir sind die Expertinnen und Experten für die Praxis.

  • Beteiligung statt Anordnung: Echte Einbindung von Lehrkräften und Schulleitungen in Reformprozesse.

  • Vertrauen in junge Kompetenz: Anerkennung der Fachlichkeit, gerade der jungen Kolleginnen und Kollegen, statt starrer Hierarchien.

  • Planungssicherheit: Transparente und frühzeitige Kommunikation sowie langfristige Konzepte statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.

Bildungspolitik darf nicht über die Köpfe der Lehrkräfte hinweg gestaltet werden. Nur gemeinsam können wir tragfähige Lösungen entwickeln, Vielfalt berücksichtigen und eine moderne Pädagogik mit einem zukunftsfähigen Lernbegriff ermöglichen.  

Um Schulen in die Lage zu versetzen, ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie der notwendigen Beziehungsarbeit gerecht zu werden, sind tiefgreifende strukturelle Verbesserungen unumgänglich. 

  • Mehr Zeit für pädagogische Arbeit: Lehrkräfte benötigen verlässliche, zeitliche Ressourcen für Beziehungsarbeit, individuelle Förderung, Beratung sowie die enge Zusammenarbeit mit Eltern und multiprofessionellen Teams.

  • Kleinere Klassen und verlässliche Förderstrukturen: Eine Reduzierung der Klassengrößen und stabile, dauerhafte Förderangebote sind die Grundvoraussetzung, um der wachsenden Heterogenität, dem Inklusionsanspruch und den Bedürfnissen neurodivergenter Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden.

  • Schutz pädagogischer Kernaufgaben: Beziehungsarbeit, differenzierter Unterricht und individuelle Begleitung dürfen keine „Zusatzaufgaben“ sein, sondern müssen als Kernbestandteile schulischer Arbeit anerkannt und strukturell abgesichert werden.

  • Entlastung und Gesundheit: Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sie professionelle Ansprüche ermöglichen, statt durch Überlastung zu krankheitsbedingten Ausfällen oder dem Berufsaustritt zu führen.

  • Langfristige Stärkung des Lehrberufs: Attraktive Rahmenbedingungen sind unumgänglich, um Lehrkräfte im System zu halten und dem Lehrkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken.

Nur durch eine strukturelle Entlastung und die Bereitstellung notwendiger Ressourcen kann Schule zu einem Ort werden, an dem Beziehungsarbeit gelingt und Bildungsgerechtigkeit für alle Schülerinnen und Schüler keine Utopie bleibt.

Parallel zu besseren Bedingungen im Alltag muss die Ausbildung der Realität im Klassenzimmer standhalten. Eine moderne Schule der Vielfalt braucht Pädagoginnen und Pädagogen, die auf Beziehungsarbeit und Heterogenität spezialisiert sind. 

  • Umgestaltung der 2. Phase: Ein Neu-Denken und die Umstrukturierung des Referendariats, die pädagogische Selbstwirksamkeit stärken, statt durch starre Strukturen zu verunsichern, ist unumgänglich. Hier stehen vor allem die enge Verzahnung der Ausbildungsphasen, das langsame Ankommen und Heranführen in die Praxis sowie beratendes und begleitendes Mentoring auf Augenhöhe im Vordergrund. 

  • Zukunftsthemen als Kernbestandteil: Der kompetente Umgang mit Inklusion, Neurodivergenz, kultureller Vielfalt, Digitalisierung, Bildungsungerechtigkeit und Demokratiebildung darf kein optionales Zusatzwissen sein. Diese Themen müssen als obligatorische Kernbestandteile in allen Phasen der Lehrkräftebildung verankert werden, um einen sicheren Umgang mit der Vielfalt der Lernvoraussetzungen zu gewährleisten.

  • Zeit für professionelles Wachstum: Wir fordern fest verankerte Ressourcen für kontinuierliche Fortbildung, kollegiale Supervision und geleitete Reflexion im Berufsalltag zur dauerhaften Sicherung der pädagogischen Qualität.

  • Flexible und adaptive Formate: Individuell gestaltbare Qualifizierungswege, die sowohl den unterschiedlichen Biografien (z. B. Quereinstieg) als auch der Belastungsgrenze der Lehrkräfte gerecht werden.

Lehrkräftebildung darf nicht überfordern, sondern muss das Fundament dafür legen, dass Beziehungsgestaltung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen professionell und gesund gelingen kann.

Nur wer regenerieren kann, kann auch geben. Wir fordern Strukturen, die unsere Gesundheit schützen, statt sie vorauszusetzen.

  • Fokus aufs Wesentliche: Konsequenter Abbau von Bürokratie, damit Zeit für Pädagogik bleibt.

  • Echte Entlastung: Keine Erhöhung der Unterrichtspflicht; stattdessen multiprofessionelle Teams an jeder Schule, um Inklusion, Digitalisierung, Personalausfälle, etc. gemeinsam zu stemmen.

  • Moderne Arbeitswelt: Flexible Arbeitszeitmodelle, Sabbaticals und Teilzeitoptionen ohne Stigmatisierung oder Karriereknick.

  • flächendeckende, niedrigschwellige Beratungs- und Präventionsangebote zur Lehrkräftegesundheit

Lehrkräftegesundheit, vor allem mentale Gesundheit, sind kein individuelles, sondern ein generationenübergreifendes, strukturelles Thema und eine Voraussetzung für eine zukunftsfähige Schule.

 Schule gelingt nur in einer Umgebung, die professionelles Arbeiten zulässt.

  • Schule als Lebensraum: Eine moderne, bedarfsgerechte Ausstattung und Räume, in denen alle gerne und sicher lernen und arbeiten.

  • Digitalisierung mit Support: Funktionierende Technik und professioneller technischer Support, der Lehrkräfte entlastet, statt sie zu IT-Beauftragten wider Willen zu machen.

  • Ressource Zeit: Zeit für Beziehungsarbeit und Team-Absprachen ist keine „Freizeit“, sondern das Fundament guter Bildung. Es braucht ausreichend Zeitressourcen für Unterrichtsvorbereitung, pädagogische Entwicklung, Team- und Beziehungsarbeit.

Zeit ist eine zentrale Ressource für gute Schule – sie darf nicht weiter verknappt werden.

Wertschätzung gibt Kraft. Sie zeigt sich nicht nur in Worten, sondern in Haltung, Vertrauen und fairen Bedingungen.

  • Kultur der Anerkennung: Ein wertschätzendes Klima gegenüber allen Beschäftigten im Schulwesen.

  • Starkes Ansehen: Eine kontinuierlich politische Stärkung des Lehrerberufs in der Öffentlichkeit.

Wertschätzung ist kein Zusatz, sondern Grundvoraussetzung für Motivation, Qualität und Verlässlichkeit.

Mut als gemeinsame Verantwortung 

Wir junge Lehrkräfte leben diesen Mut bereits jeden Tag: In heterogenen Klassen erproben wir innovative Konzepte und balancieren wachsende Anforderungen aus. Doch unsere Leidenschaft darf nicht dazu missbraucht werden, strukturelle Defizite dauerhaft zu kaschieren. Wir fordern daher eine Politik, die echten Mut beweist – den Mut zu tiefgreifenden Reformen anstatt symbolischer Maßnahmen, zu echtem Vertrauen in unsere Expertise und zur Freigabe von Ressourcen, die dort investiert werden, wo Zukunft gestaltet wird. Leidenschaft braucht ein Fundament; wir sind bereit, es gemeinsam zu bauen.

Deshalb ist unsere Botschaft klar:

Schule braucht starke Lehrkräfte.

Lehrkräfte brauchen gute Bedingungen.

Gute Bedingungen brauchen Mut.

Mut schafft Zukunft.

LehrKraft – Vielfalt leben, Zukunft gestalten.

Dafür setzen wir uns ein und dafür fordern wir Taten der Politik.